Tierhilfe bei Frost und Schnee: Enten, Möwen, Frost und viele Fragen

Geht man dieser Tage aufmerksam durch die Landschaft, hört man kaum einen Vogel, sieht kaum ein Tier, wenn auch hin und wieder ein paar Rehe, Enten und Krähen auftauchen. Es ist Winter und dazu noch seit Wochen Frost. Manch einer möchte helfen, weiß aber nicht wie. Hilfestellungen sind meist einseitig oder widersprechen sich.

Ich hatte noch kein Futter und war schon von den Enten umringt

Tiere in Not – Landkreise rufen Notzeit aus

Mittlerweile haben etliche Landkreise die Notzeit ausgerufen. Klare Begründung: Die Tiere finden nicht mehr genug Futter und sterben in Größenordnungen an Unterernährung. Was der einzelne Bürger nun helfen kann, bleibt häufig offen. Man bezieht sich zwar auf die Jägerschaft, dass diese nun füttern soll. Allerdings geht es hier um das Wild im Wald, nicht aber um Reiher, Schwan, Ente und Co. Hierzu gibt es leider nur wenige Infos. Die Einen verkünden, man solle gar nicht füttern, die Anderen empfehlen zwar nicht zu füttern, veröffentlichen aber auch Fütterungsempfehlungen. Dass die Tiere in Not sind, war kürzlich auch aus der Presse zu erfahren. Bei Malchow waren um die 200 Blesshühner verhungert.

Rehe in verschneiter Landschaft

Seen zugefroren, Schneedecke durch Wiedergefrieren knüppelhart

Die Seen sind meist zugefroren und nur vereinzelt findet sich ein kleines Areal, welches noch oder bedingt durch Zuflüsse, eisfrei ist. Hier tummeln sich nun die Enten, Blessrallen, Schwäne und andere Wasservögel, wobei „tummeln“ sehr verharmlosend anmutet wenn man bedenkt, dass die Tiere gar keine andere Wahl mehr haben und sich eben dort zusammenfinden, wo sie wenigstens noch etwas zu trinken finden. Ein weiteres Phänomen: Häufig kommen die sonst scheuen Tiere in Scharen auf Menschen zugelaufen, was sicher nicht daran liegt, dass diese sich daran gewöhnt haben. Ich jedenfalls kannte das nicht, dass eine Truppe von ca 50 Enten auf mich zugerannt kommt und einige davon zusammenbrechen, weil sie wohl kaum noch Kraft haben und dann regelrecht gierig nach meinen Hosenbeinen schnappen. Sowas habe ich bisher nie erlebt.

Meister Reineke – der Fuchs

Was macht man richtig? Gibt es verlässliche Infos und Strukturen?

Das kann ich leider nur mit einem schulterzuckenden Nein beantworten. Zwar findet man hier und da Infos, aber teils widersprechen die sich und in den Kommentarspalten wissen ohnehin Viele alles besser. Also sucht man auf einschlägigen Seiten wie z.B. Naturschutzbund, Veterinäramt, Untere Naturschutzbehörde, Landkreis, Tierschutzbund und BUND nach Infos. Aber hier fängt es schon an: Teils erfährt man nichts. Teils widerspricht es sich und selbst Unterverbände verkünden mal jenes und mal dieses.

So erfährt man auf der Hauptpräsenz des Naturschutzbundes zum Thema Stockente, dass man diese nicht mit Brot und Brötchen füttern soll und stattdessen Körner, Salat oder Haferflocken verwenden soll. Andere Regionalverbände schreiben, man solle gar nicht füttern, weil dies Ansammlungen begünstigt, die dann wieder im Falle von Vogelgrippe eine große Ansteckungsgefahr bedeuten. Im Allgemeinen ist alles sehr relativ zu verstehen, da es im Monat Mai, wo viel futter zu finden ist, etwas anderes ist, als befinde man sich nun bei zugefrorenen Seen und harter Schneedecken im Monat Juni.

Höckerschwan am Lankower See

Viele Widersprüche und fehlende verlässliche Informationen und noch mehr Unmut

Wie verhält man sich nun also richtig, wenn Landkreise die Notzeit ausrufen und man helfen möchte? Ja, ich weiß es nicht! Irgendwie ist sich im Notfall jeder sich selbst überlassen und muss sehen wie er an verlässliche Infos kommt und dann im Falle des Falles das beste draus machen. Nun sieht man Tierschutzvereine agieren, Initiativgruppen bringen Futtermittel aus und Ehrenamtliche kümmern sich um die Beseitigung von Tierkadavern. Durch die fehlende Klarheit werden hier und da auch Fehler gemacht aber anstatt gemeinsam bei entsprechenden Stellen die Türen einzulaufen, geht man sich untereinander an die Wäsche. Anzeigen werden erstattet, die Polizei beschäftigt und in den Kommentarspalten unter Verbänden, Landkreisen und Institutionen liest man zwar viele Kommentare. Aber Reaktionen von eben diesen Stellen sind dann kaum zu lesen. Wieder lässt man die Menschen allein.

Graugänse mit Gössel am Schweriner See

Möwe gefunden, was tun? eine Odyssee

So verhielt sich es auch in meinem Falle, als ich mich dazu entschloss, eine Möwe aufzunehmen weil diese geschwächt war und von Krähen angefallen wurde. Auch hier gab es jede Menge Leute, die es besser wussten, mir allerlei vorwarfen und nur wenig Hilfe war dabei. Man solle nach XY nach Magdeburg fahren, dort sei ein Tierarzt. Oder nach Berlin, da würde man Hilfe finden. Oder nach Hannover – dort gäbe es eine Auffangstation. Aus meinen Erfahrungen mit hiesigen Tierärzten aus der Vergangenheit war ich eher beunruhigt als erfreut, zumal das alles auch immer ins Geld geht. Verlässliche Strukturen gibt es nicht und bezüglich Wildvögel in Mecklenburg Vorpommern schon mal gar nicht. So bleibt Vieles dann an Ehrenamtlichen hängen. Hier gibt es noch jede Menge Luft nach oben. Wer helfen will, sieht sich dann mit Anzeigen konfrontiert, was am Ende dazu führt, dass die Menschen wegsehen und nicht helfen. Man muss ja sonst befürchten, dass einem „was ans Zeug geflickt“ wird.

Schneelandschaft bei Schwerin
Schneelandschaft bei Schwerin

Zurück zur Normalität, die Ruhe bis zum nächsten Mal…

Der Winter wird bald vorüber sein und insgeheim muss man hoffen, dass der nächste Winter nicht so streng wird, damit sich dieses Desaster nicht wiederholt. So wird man schnell vergessen, was war und entsprechend in Zukunft wieder vor den selben Problemen stehen. Auffällig ist auch dieses Schwarz Weiß Agieren. Hilfe nein, weil Vogelgrippe, Gewöhnungen usw. sind eben nicht der richtige Weg, sondern ein situationsbezogenes Agieren mit Verstand. Nur weil die Vogelgrippe hier und da auftritt bedeutet das nicht, dass man nun die Arme verschränkt und die Tiere in längeren Frostperioden nun auch noch verhungern lässt. Hier gibt es genug Möglichkeiten helfend tätig zu werden und auch dafür zu sorgen, dass die Hilfe Sinn macht und nicht gefährdet.

Schneedecke in mecklenurg
Verschneite Landschaft in Mecklenburg

Gedankenspiele zur richtigen Hilfe in Notsituationen

Bezüglich der Wasservögel erkundigt man sich, was diese fressen und bringt dann sparsam und weitläufig dort Futter aus, wo sich die Tiere befinden, um eben diese Ballungen an Tieren zu verhindern. Wen sich alles weitläufig zerstreut, dann ist die Gefahr kleiner, dass kranke Tiere andere Tiere anstecken können.

Bezüglich Wildtiere im Wald sollte man an Jäger und Förster herantreten und erfragen, was man und wo man füttern kann, oder welche Futtermittel man bereitstellen kann, die dann durch Jäger, Förster und Co ausgebracht werden können.

Ämter, Landkreise und Co sollten verständliche Leitfäden erarbeiten, damit diese leicht auffindbar den Menschen Empfehlungen an die Hand geben, wie sie in gewissen Situationen helfen können. Dies sollte nicht in einem belehrenden Ton, sondern wohlwollend erfolgen und den Menschen das Gefühl vermitteln, dass man in einem Boot sitzt und in die selbe Richtung rudert.

Auch sollten Führungen zur Fütterung in Frostperioden angeboten werden, bei denen erklärt wird, in wieweit man Füttern kann, was man füttern soll und wo und wann man am besten gar nicht füttert, um das Gleichgewicht der Natur nicht zu stark zu beeinflussen.

Im Zweifel rumfragen, wer jemanden kennt, der z.B. Ornithologe (Vogelkundlicher) usw ist, um fachliche Infos einzuholen.

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